Kurz gesagt: EcoVadis stellt ab 14. Oktober 2026 mehrere Regeln im Sustainability Rating um. Die wichtigste: Quantitative Ziele zählen nur noch, wenn ein Basisjahr dabeisteht. Dazu kommen neu sortierte Reporting-Fragen mit neuen Kennzahlen, eine neue Biodiversitäts-Option und klarere Scorecards. Für den 12. Januar 2027 hat EcoVadis weitere Änderungen angekündigt: neue Reporting-Bewertung, neue Wesentlichkeitslogik, Länderrisiko je Thema und Medaillen nach Unternehmensgröße.
Die Termine auf einen Blick

Die Änderung vom 16. September 2026 ist bereits umgesetzt. Für den 14. und 15. Oktober 2026 nennt EcoVadis feste Release-Termine. Die Änderungen zum 12. Januar 2027 sind angekündigt.
Was betrifft dich? Die Oktober-Änderungen im Überblick
EcoVadis gibt in den Release Notes an, für welche Größenklassen eine Änderung gilt. S, M und L stehen dort für 26 bis 49.999 Mitarbeitende. Was jeweils zu tun ist:
Änderung | Gilt für | Was du tun solltest |
Basisjahr für quantitative Ziele | XS, S, M, L | Jedes Ziel um ein Basisjahr ergänzen |
Neue Reporting-Kennzahlen | S, M, L | Neue Kennzahlen erheben, soweit das Thema für dich wesentlich ist |
Voluntary Standard statt VSME | XS, S, M | Nichts, bestehende VSME-Berichte bleiben für das Geschäftsjahr 2026 und früher gültig |
Neue Biodiversitäts-Option | M, L in 20 Branchen | Prüfen, ob deine Branche dabei ist |
"Other"-Optionen | keine Einschränkung genannt | Nur ausfüllen, wenn du etwas zu beschreiben hast |
Detailliertere Scorecard | S, M, L | Nächste Scorecard genauer lesen |
Kennzahlen für Zeitarbeit (ISIC 782) | S, M, L, nur Zeitarbeitsfirmen | Kennzahlen für Zeitarbeitskräfte bereitstellen |
Die wichtigste Änderung: kein Ziel ohne Basisjahr
Für alle Fragebögen, die du am oder nach dem 14. Oktober 2026 einreichst, gilt: Ein quantitatives Ziel wird nur anerkannt, wenn in den Nachweisen ein klares Basisjahr steht. Bisher reichten Zieljahr und Zielwert. Fehlt das Basisjahr, lehnen die Analysten die Angabe ab, und sie trägt nichts zum Policies-Indikator bei.

Das gilt für alle Arten von Zielen: relative Reduktionen, absolute Ziele und Null-Vorfall-Ziele. Zwei weitere Beispiele:
Ohne Basisjahr | Mit Basisjahr |
"20 % weniger Arbeitsunfälle bis 2030." | "20 % weniger Arbeitsunfälle bis 2030 im Vergleich zu 2020." |
"Null Arbeitsunfälle bis einschließlich 2027." | "Null Arbeitsunfälle bis einschließlich 2027, bezogen auf das Basisjahr 2026." |
Ob ein Ziel anerkannt wird, entscheiden die Analysten von EcoVadis.
EcoVadis begründet das so: Ohne Ausgangspunkt ist ein Ziel nicht messbar. Gut zu wissen: Du brauchst nicht für jedes Thema ein quantitatives Ziel. Für die Höchstpunktzahl im Policies-Indikator verlangt EcoVadis bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen quantitative Ziele für mindestens 50 % der zentralen Nachhaltigkeitskriterien in den Themen Umwelt sowie Arbeits- und Menschenrechte.
Dein nächster Schritt: Geh deine Richtlinien und Zieldokumente durch, bevor du einreichst. Wo das Basisjahr fehlt, ergänze es im Dokument selbst, nicht nur im Fragebogen.
Reporting: Fragen neu sortiert, neue Kennzahlen
Bisher gab es allgemeine, nicht vordefinierte Reporting-Optionen wie "Reporting zu Wasser". Diese Felder wandern jetzt in die themenspezifischen Fragen und heißen dort "Andere Kennzahlen zu ...". Sie erscheinen nur noch, wenn das Thema für dein Unternehmen wesentlich ist. Du berichtest also weniger Unwesentliches. Die Änderung gilt für die Größenklassen S, M und L.
Zusätzlich kommen neue, vordefinierte Kennzahlen dazu, angelehnt an GRI, ESRS, den Voluntary Standard und ISSB. Sie betreffen unter anderem Biodiversität, Produktlebensende, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte.
Eine Frage fällt dafür weg: die bisherige Auswahlfrage, ob dein Unternehmen Standorte in oder nahe biodiversitätssensiblen Gebieten hat und ob deine Tätigkeit diese Gebiete beeinträchtigt. An ihre Stelle tritt eine neue Kennzahl: die Anzahl der eigenen, gemieteten oder verwalteten Standorte in oder nahe einem biodiversitätssensiblen Gebiet.
Die kleineren Änderungen
Voluntary Standard statt VSME. Nach dem delegierten Rechtsakt der EU-Kommission heißt es bei EcoVadis jetzt "Voluntary Standard (VS/VSME)". Dein Score ändert sich nicht. Berichte nach den bisherigen VSME-Vorgaben werden für das Geschäftsjahr 2026 und früher weiter voll anerkannt. Für neue Berichte nach dem Voluntary Standard unterscheidet EcoVadis künftig zwischen Pflicht- und freiwilligen Angaben, je nachdem, ob ein Unternehmen mehr oder weniger als 10 Mitarbeitende hat. Die Änderung betrifft die Größenklassen XS, S und M.
Sonderfälle. Zwei Änderungen betreffen nur wenige Unternehmen. Mittlere und große Unternehmen in 20 Branchen, unter anderem aus Landwirtschaft, Pharma und Abfallbehandlung, bekommen eine neue Maßnahmen-Option zur Biodiversität. Zeitarbeitsfirmen (ISIC 782) bekommen ab 15. Oktober 2026 eigene Reporting-Optionen für ihre Zeitarbeitskräfte.
"Other"-Optionen. EcoVadis stellt klar: Diese Felder bei Maßnahmen, Selbstverpflichtungen und Zertifikaten sind freiwillig. Leer lassen kostet keine Punkte, solange deine übrigen Antworten die Bewertungsanforderungen erfüllen und ausreichend belegt sind. Wer sie ankreuzt, muss im Textfeld beschreiben, was gemeint ist, sonst kann die Angabe nicht bewertet werden.
Scorecard. Ab 14. Oktober 2026 siehst du im Reporting-Indikator der Themen Ethik und Nachhaltige Beschaffung pro Kennzahl eine eigene Stärke oder einen eigenen Verbesserungsbereich. Die Bewertung selbst bleibt gleich. Das gilt für die Größenklassen S, M und L.
Mehr zu typischen Fehlern im Fragebogen findest du in EcoVadis-Score verbessern.
Ausblick: Was am 12. Januar 2027 kommt
Diese vier Änderungen sind angekündigt, Details können sich noch ändern.
Änderung | Was EcoVadis ankündigt |
Länderrisiko | Statt einer pauschalen Anpassung über alle Themen gibt es gezielte Faktoren je Thema |
Wesentlichkeit | Schwere und Wahrscheinlichkeit werden stärker berücksichtigt, abhängig von Branche, Land und Unternehmensgröße. Das verändert die 21 Nachhaltigkeitskriterien, die Themengewichte und die Länderrisikofaktoren in der Bewertungsformel |
Reporting-Bewertung | Der Anteil der berichteten vordefinierten Kennzahlen fließt in die Bewertung ein. Für kleine und mittlere Unternehmen (unter 1.000 Mitarbeitende) werden die Anforderungen gelockert |
Medaillen | Statt globaler Punkteschwellen gelten Schwellen je Größenklasse (XS, S, M, L) |

Die drei Anforderungen für 100 Punkte im Reporting-Indikator sind: Wesentlichkeitsanalyse, Bericht nach einem Reporting-Standard, externe Prüfung oder Bestätigung. Kleine und mittlere Unternehmen (unter 1.000 Mitarbeitende) brauchen künftig zwei beliebige davon statt aller drei. Die neue Reporting-Bewertung gilt für die Größenklassen S, M und L.

Bei den Medaillen bleiben die Anteile gleich: Platin für die besten 1 %, Gold für die besten 5 %, Silber für die besten 15 %, Bronze für die besten 35 %. Neu ist, dass du nur noch mit Unternehmen deiner Größe verglichen wirst.
Unsere Einschätzung: Die neuen Kennzahlen vom Oktober und die neue Reporting-Bewertung im Januar gehören zusammen. Wenn künftig der Anteil der berichteten vordefinierten Kennzahlen zählt, lohnt es sich, die neuen Kennzahlen schon jetzt zu erheben.
Deine Checkliste
Du musst die Änderungen nicht einzeln abarbeiten. Die Gap-Analyse in Glacier AI zeigt dir fortlaufend, wo deine Unterlagen von der aktuellen EcoVadis-Methodik abweichen, und empfiehlt dir zu jeder Lücke, was zu tun ist. Für das Q3-Update heißt das konkret:
- Basisjahr: Du siehst, welchen quantitativen Zielen ein Basisjahr fehlt und in welchem Dokument du es ergänzen solltest.
- Neue Kennzahlen: Du siehst, welche der neuen Kennzahlen für dich wesentlich sind und für welche dir noch Daten fehlen.
- Einreichtermin: Ab 14. Oktober 2026 gelten die neuen Regeln. Schließe die offenen Lücken, bevor du einreichst.
- "Other"-Felder: Nutze sie nur, wenn du sie auch beschreibst.
- Ausblick 2027: Medaillenschwellen und Reporting-Bewertung ändern sich. Sobald EcoVadis die Änderungen umsetzt, erscheinen neue Lücken und Empfehlungen in deiner Gap-Analyse.
Das Update in Glacier AI
Du musst das nicht alles selbst im Blick behalten. Wir setzen die Methodik-Änderungen in Glacier AI um. Wenn du deine EcoVadis-Bewertung mit Glacier AI vorbereitest, arbeitest du mit dem aktuellen Stand der Methodik. Die finale Bewertung trifft weiterhin EcoVadis.
Du willst sehen, wie dein Unternehmen mit der neuen Methodik dasteht? Buch dir eine EcoVadis-Demo von Glacier AI.
FAQ
Ab wann gilt die Basisjahr-Pflicht?
Für alle Fragebögen, die am oder nach dem 14. Oktober 2026 eingereicht werden.
Verliere ich Punkte durch das Update?
Sicher ist: Quantitative Ziele ohne Basisjahr zählen nicht mehr für den Policies-Indikator. Für den Voluntary Standard, die "Other"-Optionen, die Scorecard und die Zeitarbeits-Kennzahlen sagt EcoVadis ausdrücklich, dass der Score nicht sinkt oder die Bewertung gleich bleibt. Zu den neuen Reporting-Fragen und zur Biodiversitäts-Option macht EcoVadis keine Aussage zum Score.
Muss ich meinen VSME-Bericht anpassen?
Nein. Berichte nach den bisherigen VSME-Vorgaben bleiben für das Geschäftsjahr 2026 und früher voll anerkannt.
Muss ich die "Other"-Optionen ausfüllen?
Nein. Sie sind freiwillig. Leer lassen kostet keine Punkte, solange deine übrigen Antworten die Anforderungen erfüllen und belegt sind.
Ändern sich die Medaillen schon im Oktober?
Nein. Die größenabhängigen Schwellen sind für den 12. Januar 2027 angekündigt. Die Anteile bleiben gleich: Platin Top 1 %, Gold Top 5 %, Silber Top 15 %, Bronze Top 35 %.
Du willst sehen, wie dein Unternehmen mit der neuen Methodik dasteht? Buch dir eine EcoVadis-Demo von Glacier AI.


